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Gewindefitings und Rohre mit Teflon und Hanf abdichten

Chris Masurek  –  2016-10-14 20:22:00

In der Gas- und Wassertechnik kommen meist Whitworthgewinde zum Einsatz. Fittings mit einem Innengewinde weisen in der Regel ein paralleles Gewinde auf und Fittings mit einem Außengewinde meist ein konisches. Die Verbindung dieser beiden Gewinde ist im Normalfall in sich selbst dichtend, man spricht von metallisch dichtenden Gewinden und benötigen kein Dichtmaterial.
Allerdings greift man aus verschiedenen Gründen dennoch zu einem Abdichtband oder auch Hanf zurück. Zum Einen kann hiermit die Dichtigkeit zweier Gewinde besser gewährleistet werden und zum Anderen, lassen sich Kunststofffittings ab einer gewissen Einschraubtiefe, aufgrund des starken Reibungswiderstandes nicht mehr ohne Weiteres festziehen, geschweige denn lösen.
Im Folgenden einige Methoden, die zum Abdichten von Gewindefittings in der Wassertechnik zum Einsatz kommen.

Abdichten mit Teflon©

Teflon richtig um das Gewinde legen

Die richtige Laufrichtung

Die Abdichtung eines Gewindes mit einem Abdichtband aus PTFE (Polytetrafluorethylen), häufig auch einfach Teflon© genannt ist wohl die am häufigsten und auch am einfachsten anzuwendende Methode. Das Abdichtband wird einfach flach um das Außengewinde eines Fittings gewickelt. Wichtig ist darauf zu achten, dass es möglichst straff anliegt und in richtiger Richtung aufgelegt wird. Wenn sie das Gewinde in Ihre Richtung zeigen lassen, so muss das Abdichtband in Richtung Uhrzeigersinn aufgewickelt werden. Dies ist wichtig, um zu verhindern, dass sich das Abdichtband beim Einschrauben in ein anderes Gewinde löst.

Teflon richtig um das Gewinde legen

Das Endergebnis

Auf diesem Bild können Sie sehen, wie das Endergebnis aussieht, nachdem einige Bahnen um das Gewinde gezogen wurden. Beachten sie ebenfalls, den ersten Gewindegang freizulassen, damit das Gegengewinde richtig greifen kann. Das Abdichtband sorgt für die Dichtheit der Verbindung und gleichzeitig dafür, dass sich die Gewinde leichter miteinander verschrauben lassen können, da sie leicht auf dem Teflon© gleiten.

Wie viele Lagen Gewindedichtband benötige ich?

Die Gewindedichtbänder unterscheiden sich in Stärke und Qualität. Nehmen sie ein Abdichtband mit einer Stärke von 0,1 mm, so reichen in der Regel 2-3 Umwicklungen. Nehmen sie ein Gewindedichtband mit einer geringeren Stärke, wie etwa 0,075 mm bei diesem Dichtband, so erhöht sich auch die Anzahl der Lagen auf 3-4. Wenn sie einige Gewinde abgedichtet haben, bekommen sie auch selbst ein Gefühl dafür. Letztendlich gibt es keine feste Formel dafür.

Wichtig. Teflon Dichtband eignet sich nur für Gewinde mit einem Durchmesser von maximal 1" (ca. 32 mm). Für größere Gewindefittings können Sie einen Dichtfaden verwenden.

Abdichten mit Gewindedichtfaden

Schlauchtülle mit Abdichtfaden

So wird mit einem Abdichtfaden abgedichtet

Das Abdichten mittels eines Gewindedichtfadens ist genauso leicht wie mit einem Abdichtban. Dichtfäden bestehen in der Regel aus PA (Polyamid) oder PTFE (Polytetrafluorethylen) und werden auch als Teflon© Gewindedichtfaden bezeichnet. Bei einigen dieser Gewindedichtfäden wie etwa bei dem Dichtfaden von Tangit, der Firma Henkel ist bereits eine Imprägnierung mit einem Fett bestehend aus Siliconen erfolgt, um eine bessere Dichtheit und ein einfacheres Verschrauben der Gewinde zu gewährleisten. Der Faden wird straff um das Gewinde gewickelt, wobei darauf zu achten ist, dass der Faden quer über die Gewindegänge verläuft. Wie beim Abdichtband, ist auch beim Abdichtfaden die Richtung in der der Faden aufgebracht wird zu beachten. Die Wickelrichtung erfolgt im Uhrzeigersinn, wenn das Gewinde in Ihre Richtung zeigt. Achten sie darauf, den ersten Gewindegang freizulassen, um zu gewährleisten, dass die zu verschraubenden Gewinde ineinandergreifen.

Wie viele Wicklungen Gewindedichtfaden werden benötigt

Die Umrundungen sind stark vom Gewindedurchmesser und vom Gewindetyp abhängig. Bei Kunststoffgewinden verdoppelt sich die Anzahl der Wicklungen.

Durchmesser des
Gewindes

Anzahl Wicklungen
-Metall-

Anzahl Verbindungen
160 m Faden
-Metall-

Anzahl Wicklungen
-Kunststoff-

Anzahl Verbindungen
160 m Faden
-Kunststoff-

1/2" (20,96 mm) 6-8 400 12-16 200
3/4" (26,44 mm) 7-9 275 14-18 138
1" (33,25 mm) 8-12 192 16-24 96
1 1/2" (47,80 mm) 10-15 105 20-30 53
2" (59,61 mm) 15-25 57 30-50 29
2 1/2" (75,18 mm) 20-30 34 40-60 17
3" (87,88 mm) 25-35 23 50-70 12
4" (113,03 mm) 35-45 12 70-90 6

Abdichten mit Gewindedichthanf

Gewindedichthanf eignet sich für alle Metallgewinde. Der Vorteil im Vergleich zu PTFE-Dichtband ist die quellende Eigenschaft von Teflon, welches eine selbstdichtende Wirkung besitzt. Die Gewinde können zur einfacheren Verarbeitung angeraut werden. Für eine einfache Verarbeitung sollte der Hanf nach dem Anbringen zusätzlich mit einer Gewindedichtpaste bearbeitet werden, um die Verarbeitung zu vereinfachen.

Schadensvermeidung

Kunststofffittings neigen dazu aufzureißen bzw. aufzuplatzen, wenn die Gewindemuffen (Innengewinde) einer hohen mechanischen Spannung ausgesetzt sind. Dies kann auch erst nach einiger Zeit zutage treten.

Beachten Sie die folgenden Punkte, um eine Beschädigung der Gewinde zu vermeiden.

  • Schrauben Sie Kunststoffgewinde zunächst nur handfest zusammen. Anschließend ziehen Sie die Gewindeverbindung nur 1 bis maximal 3 Umdrehungen mit einem Werkzeug an.
  • Sorgen Sie wenn möglich bei Übergängen von Kunststoff- auf Metallfittings dafür, dass das Innengewinde stets aus Metall und das Außengewinde aus Kunststoff besteht oder Verwenden Sie Kunststoffmuffen mit einem Verstärkungsring aus Stahl.
  • Vergewissern Sie sich, wenn Sie ein flüssiges Gewindedichtmittel bzw. einen Gewindekleber verwenden, dass das Mittel für den Kunststoff geeignet ist, ohne diesen zu beschädigen.

Moderne Alternativen: Flüssige Gewindedichtmittel und anaerobe Dichtstoffe

Flüssige Gewindedichtmittel (Teflonpaste): Die vielseitige Option

Flüssige Gewindedichtmittel, oft auch als Teflonpaste bezeichnet, sind pastöse Substanzen, die auf die Gewinde aufgetragen werden, um eine wasserdichte oder gasdichte Verbindung zu erzeugen.

Anwendung: Vor der Montage wird eine dünne, gleichmäßige Schicht des flüssigen Dichtmittels auf die Außengewinde aufgetragen.

Vorteile: Flüssige Gewindedichtmittel füllen effektiv Spalte und Unebenheiten in den Gewinden aus und sorgen so für eine zuverlässige Abdichtung. Sie härten aus und bilden eine robuste Dichtung. Viele Produkte können auf verschiedenen Materialien wie Metall und Kunststoff verwendet werden. Sie sind in verschiedenen Viskositäten erhältlich, wodurch sie sich sowohl für feine als auch für grobe Gewinde eignen. Einige Produkte bieten eine sofortige Dichtwirkung bei niedrigem Druck. Zudem sind sie oft beständig gegen Vibrationen und Temperaturschwankungen.

Nachteile: Die Anwendung kann etwas unordentlich sein. Es ist wichtig, die angegebene Aushärtezeit zu beachten, um die volle Festigkeit der Dichtung zu erreichen. Einige Produkte können beim Trocknen leicht schrumpfen.

Fazit: Flüssige Gewindedichtmittel sind eine vielseitige Option, insbesondere wenn es darum geht, kleinere Unebenheiten und Spalte in den Gewinden zuverlässig abzudichten. Die Wahl der richtigen Viskosität ist für das jeweilige Gewinde wichtig, um eine optimale Abdichtung zu gewährleisten.

Anaerobe Dichtstoffe: Die Hochleistungsoption für dauerhafte Verbindungen

Anaerobe Dichtstoffe sind Einkomponenten-Klebstoffe, die unter Luftabschluss und in Anwesenheit von Metallionen (wie Eisen oder Stahl) aushärten. Sie werden häufig für anspruchsvolle Anwendungen eingesetzt, bei denen eine hohe Druckbeständigkeit und Vibrationsfestigkeit gefordert sind. Sie kommen häufig in Druckluftleitungen und Hochdruckleitungen zum Einsatz.

Anwendung: Die Gewinde müssen vor der Anwendung sauber und fettfrei sein. Der anaerobe Dichtstoff wird dann auf eines der Gewinde aufgetragen. Die Aushärtung beginnt, sobald die Verbindung geschlossen wird und der Sauerstoff entzogen ist.

Vorteile: Anaerobe Dichtstoffe bieten eine ausgezeichnete Druckbeständigkeit und sind daher ideal für Hochdruckanwendungen geeignet. Sie bilden eine starke, dauerhafte Verbindung, die auch Vibrationen standhält und ein selbstständiges Losdrehen der Verbindung verhindert. Zudem schützen sie die Gewinde und Verschraubungen vor Korrosion. Da sie nicht lösungsmittelbasiert sind, schrumpfen oder reißen sie nicht nach dem Aushärten. Viele anaerobe Dichtstoffe sind beständig gegen eine Vielzahl von Chemikalien, Ölen und Gasen. Einige Produkte verfügen über spezielle Zulassungen für den Einsatz in Gas- und Trinkwasserinstallationen.

Nachteile: Für eine optimale Haftung ist es wichtig, dass die Oberflächen sauber sind. Nach dem vollständigen Aushärten kann die Demontage der Verbindung schwierig sein. Anaerobe Dichtstoffe sind nicht immer für Kunststoffverbindungen geeignet. Bei einigen inaktiven Metallen kann die Verwendung eines Aktivators erforderlich sein, um die Aushärtung zu beschleunigen. Die verklebten Gewinde lassen sich nur sehr schwer oder garnicht mehr voneinander trennen.

Fazit: Anaerobe Dichtstoffe sind die erste Wahl für Anwendungen, die eine hohe Zuverlässigkeit und eine dauerhafte, leckagefreie Verbindung erfordern, insbesondere bei Metallgewinden in anspruchsvollen Umgebungen.

Abdichten mit Dichtungsringen aus EPDM und Quellmaterial

Neben den oben genannten Methoden werden auch Dichtungsringe verwendet, um Verbindungen abzudichten. Diese kommen oft in speziellen Fittings oder an Flanschverbindungen zum Einsatz. Zwei gängige Materialien bei Gewindedichtungen sind EPDM und quellende Fasermaterialien.

EPDM-Dichtungen

EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk) ist ein synthetischer Kautschuk, der sich durch seine ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber verschiedenen Medien und Umwelteinflüssen auszeichnet.

Eigenschaften: EPDM-Dichtungen sind bekannt für ihre gute Beständigkeit gegen Hitze, Wasser, milde Säuren und Laugen, Ozon, Witterungseinflüsse und extreme Temperaturen im Bereich von -20°C bis +120°C, wobei einige Typen auch bis zu 260°C aushalten können. Sie bieten zudem eine gute Flexibilität und Isolationseigenschaften. Nicht beständig hingegen ist EPDM gegenüber Öle und Dieselkraftstoffe.

Anwendungsbereiche: Aufgrund ihrer Beständigkeit gegen Düngemittel und Chemikalien werden EPDM-Dichtungen häufig in der Landwirtschaft eingesetzt. Sie eignen sich gut für Trinkwasser-, Heizungs-, Kühlungs-, Brauchwasser- und Regenwasseranwendungen sowie für Druckluftsysteme. Man findet sie in Ventilen, Pumpen und einer Vielzahl von industriellen Anwendungen. Auch in der Automobilindustrie werden sie zur Geräuschreduzierung und als Wetterabdichtung verwendet.

Wichtiger Hinweis: EPDM ist nicht für öl- oder kohlenwasserstoffbasierte Flüssigkeiten geeignet. Für solche Anwendungen sind Materialien wie NBR oder Viton (FKM) die bessere Wahl.

Fazit: EPDM-Dichtungen sind eine vielseitige und langlebige Option für viele Anwendungen, insbesondere im Bereich Wasser und bei Kontakt mit gemäßigten Chemikalien. Ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Umwelteinflüssen macht sie ideal für den Einsatz im Freien.

Quellende Dichtungen aus Fasermaterial: Die anpassungsfähige Lösung

Quellende Dichtungen aus Fasermaterial bestehen aus verschiedenen Fasern wie Zellulose, synthetischen Fasern oder Vulkanfiber. Ihr besonderes Merkmal ist, dass sie bei Kontakt mit Feuchtigkeit leicht aufquellen und so auch bei minimalen Lecks eine Abdichtung bewirken können. Im Sanitärbereich sind diese Dichtungen weit verbreitet. DVGW-geprüfte Dichtungen können auch für Trinkwasserleitungen verwendet werden.

Eigenschaften: Diese Dichtungen sind oft komprimierbarer als Standardfaserdichtungen und passen sich daher gut an unregelmäßige Oberflächen an. Polyamidfaser-Dichtfaden ist eine moderne Form dieser Technologie und kann Hanf und PTFE-Bänder ersetzen.

Anwendungsbereiche: Quellende Faserdichtungen findet man häufig in älteren Sanitärinstallationen, beispielsweise an Toilettenanschlüssen, Ventilen und Verschraubungen. Sie eignen sich gut für Anwendungen mit Wasser und Öl. Der Polyamidfaser-Dichtfaden ist besonders für pneumatische, hydraulische und sanitäre Systeme geeignet.

Wichtiger Hinweis: Die Quellfähigkeit ist der Hauptvorteil, kann aber auch ein Nachteil sein, wenn das Material zu stark aufquillt oder nicht für das jeweilige Medium geeignet ist.

Fazit: Quellende Faserdichtungen sind besonders nützlich in Situationen, in denen eine gute Anpassung an unebene Oberflächen erforderlich ist oder bei denen eine leichte Feuchtigkeit zur Abdichtung beiträgt. Der moderne Polyamidfaser-Dichtfaden bietet hier eine verbesserte und vielseitige Lösung.

Welches Dichtmittel wann verwenden?

Die Wahl des richtigen Dichtmittels hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht und Empfehlungen basierend auf den wichtigsten Kriterien:

Welches Dichtmittel wann verwenden?

Die Wahl des richtigen Dichtmittels hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht und Empfehlungen basierend auf den wichtigsten Kriterien:

Kriterium Teflonband Gewindedichtfaden Hanf und Paste Flüssige Dichtmittel Anaerobe Dichtstoffe EPDM-Dichtungen Quellende Dichtungen (Faser)
Rohrmaterial Kunststoff, Metall Kunststoff, Metall Metall (ab 1 Zoll), bedingt Kunststoff Kunststoff, Metall Metall (bedingt Kunststoff) Abhängig von Fitting (nicht direkt auf Gewinde) Oft bei älteren Installationen (Metall)
Medium Wasser, Luft, viele Chemikalien (nicht Gas ohne Zulassung) Wasser, Gas (mit Zulassung), Öl, viele Chemikalien Wasser, Gas (mit Zulassung) Wasser, Gas (mit Zulassung), Öl, viele Chemikalien Wasser, Gas (mit Zulassung), Öl, viele Chemikalien Wasser, viele Chemikalien, Öle (nicht Petroleum) Wasser, Öl
Druck Niedrig bis Hoch Niedrig bis Hoch Niedrig bis Hoch Niedrig bis Hoch Hochdruck Niedrig bis Mitteldruck (abhängig von Anwendung) Niedrig bis Mitteldruck (10 bar)
Temperatur Abhängig vom Bandtyp (-200 °C bis +260 °C) -20 °C bis +130 °C (z.B. Loctite 55) Bis ca. 100 °C (kurzzeitig höher) -55 °C bis +150 °C (typisch) -55 °C bis +180 °C (typisch) -20 °C bis +120 °C (typisch, bis 260 °C möglich) Abhängig vom Material
Anwendungsfall Temporäre Verbindungen, Kunststoffgewinde Sofort dichte Verbindungen, Nachjustierungen möglich Größere Gewinde, traditionelle Methode Allgemeine Anwendungen, Füllen von Spalten Dauerhafte, hochfeste, vibrationsfeste Verbindungen Flanschverbindungen, spezielle Fittings Ältere Installationen, unebene Oberflächen
Vorteile Einfach, günstig, demontierbar, schmierend Sauber, flexibel, sofort dicht, vielseitig Bewährt für große Gewinde, zusätzliche Sicherheit Füllt Spalten, vielseitig, schnelle Aushärtung Hohe Druckfestigkeit, vibrationsfest, korrosionsschützend Robust, beständig gegen viele Medien und Umwelteinflüsse Quellend, anpassungsfähig
Nachteile Nicht für große Spalte, kann reißen, nicht immer für Gas Ausreichend Material verwenden Anwendung erfordert Übung, „schmutzig“ Kann unordentlich sein, Aushärtezeit beachten Schwer demontierbar, nicht immer für Kunststoff Nicht für Petroleumprodukte Quellverhalten kann begrenzt sein